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20.11.2017, 08:01 Uhr | Übersicht | Drucken
„Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.“
Karl-Heinz Diederichs spricht zum Volkstrauertag

19.11.2017.
Bundesweit wurde am Sonntag der Volkstrauertag begangen. So auch in Harsewinkel. Mit Kranzniederlegungen und Ansprachen werden der Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. Zugegen am Ehrenmal in Harsewinkel waren Abordnungen des Schützenvereins St. Hubertus sowie des Bürgerschützen- und Heimatvereins (BSV) sowie die Kameradschaft ehemaliger Soldaten (KeS), die Freiwillige Feuerwehr und  Vertreter von Rat und Verwaltung. Das Kolpingorchester und der Spielmannszug begleiteten das Ehrengedenken musikalisch. Karl-Heinz Diederichs sprach in diesem Jahr die Gedenkrede:


Karl-Heinz Diederichs am Ehrenmal, begleitet von den Kranzträgern Heinz Wilkens (l.) und Anton Rüdenholz von der Kameradschaft ehemaliger Soldaten (KeS).



Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Wir haben uns heute am Volkstrauertag hier versammelt um der Opfer von Gewalt und Krieg, an Kindern, Frauen und Männer aller Völker, zu gedenken.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Hierzu ein Zitat von Heinrich Heine:

„Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.“

Jeder der schon einmal einen geliebten Menschen zu Grabe getragen hat, kann diesen Gedanken nachvollziehen.

Wir halten heute am Volkstrauertag inne und gedenken der fast 10 Millionen Kriegstoten im 1. Weltkrieg und der weiteren 55 Millionen Opfer im 2. Weltkrieg.
Zahlen - die mit unserem Verstand nicht zu fassen sind.

Wir kennen die Bilder der Soldatenfriedhöfe mit den endlos scheinenden Reihen an Kreuzen und Grabsteinen. Soweit das Augen und das Herz reicht, beklagen wir Opfer.

Und unter jedem Grabstein eine ganze Weltgeschichte.

Ein Mensch der geliebt wurde und geliebt hat.
Ein Mitglied einer Familie, Sohn, Tochter, Freund oder Partner.
Der in seiner Welt verankert war mit Träumen, Wünschen und Zielen.
Vielfach junge Menschen am Anfang ihres Lebens.
Aus der Gesellschaft gerissen, für die sie noch viele sinnvolle Dinge hätten leisten können.
Sie gründeten keine Familie, bekamen keine Kinder und unterstützten nicht mehr ihre Freunde.

Einfach nur noch Tod.

In den Krieg getrieben für den Nationalismus, Fanatismus, Größenwahn, und den Machthunger der Diktatoren.

Im 1. Weltkrieg verbluteten für minimale Änderungen der Kampflinie Zigtausende Soldaten in den Schützengräben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde erstmals auch die Zivilbevölkerung durch Bombenangriffe massiv erschüttert. Daher erlitten die Familien nicht nur den Verlust der Männer and der Front, sondern es gab auch zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Besonders in den Großstädten gab es kaum eine Familie die nicht betroffen war.

Nicht zu vergessen die vielen Opfer, die starben, weil sie nicht den Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprachen. Getötet, weil sie jüdisch, homosexuell oder behindert waren. Oder weil sie gegen das System protestierten.

Wir sind gut beraten in Stille und Demut der Millionen Opfer zu gedenken, auch wenn diese Ereignisse scheinbar schon so lange zurückliegen.

Mit den aktuellen Fernsehbildern aus Syrien und Jemen vor Augen, können wir versuchen zu verstehen, was dieser Irrsinn der Welt angetan hat.
Soviel Zerstörung, Leid und Schmerz.

Die meisten von uns haben persönlich keine Erfahrungen mehr mit dem Krieg gemacht.
Gott sei Dank für inzwischen über 70 Jahre Frieden in Europa.

Wir wissen aus der Geschichte, dass nach dem zweiten Weltkrieg die Nationen zunächst mit sich und ihrer eigenen Trauer beschäftigt waren.
Die Siegermächte, allen voran die USA, begannen aber bald in der Bundesrepublik Deutschland mit der Demokratieerziehung. Jeder einzelne Mensch sollte sich bewusst werden über seine eigenen Rechte und die der Mitmenschen. Damit sollte die Bundesrepublik Deutschland zu einem verlässlichen Partner in Europa und der westlichen Welt werden.

Die dann folgende europäische Entwicklung war damit auch eine Entwicklung der Aussöhnung.
Die über lange Zeit erbitterten Feinde Frankreich und Deutschland sind heute die beiden großen starken Brüder in der europäischen Familie.
Das zeigte sich besonders in Ereignissen wie 1984 als sich Staatspräsident Mitterrand und Bundeskanzler Kohl in Verdun im stillem Gedenken an die Hände fassten.
Als 1985 Richard von Weizsäcker, den 08. Mai 1945 auch als einen „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ beschrieb.
Und bei der Einweihung der binationalen Gedenkstätte im Elsass, durch Bundespräsident Steinmeier und Frankreichs Staatsoberhaupt Macron in der letzten Woche.

Man kann die heutigen Generationen nicht für Kriege des letzten Jahrhunderts verantwortlich machen. Gleichwohl ergibt sich aber eine nationale Verantwortung der wir uns an Tagen wie heute stellen müssen - und das auch wollen.

Im Wissen um die europäische und ins besondere der deutschen Geschichte, haben wir die Pflicht der vielen Opfer zu gedenken und die Erinnerung an diese schreckliche Zeit wach zu halten. Verbunden mit der festen Überzeugung, dass sich ein solche Entwicklung nie wiederholen darf.

Auch sollen wir unsere Stimme erheben, wenn an anderen Stellen der Welt die Menschen- und Völkerrechte verletzt werden.

Und dazu gibt es leider heute Anlass genug:

Im Gedenken unserer eigenen Opfer sollten wir all denen, die vor Krieg und Gewalt zu uns flüchten, mit Respekt und Mitgefühl begegnen.

Europa und die Welt wird bedroht von radikalen Terroristen die vorgeben, im Namen ihres Gottes zu handeln. Es gibt aber keinen Gott der Gewalt gutheißt.

Russland annektiert die Krim und führt grenznahe Manöver aus. Die NATO erhöht ihr Budget und richtet neue Hauptquartiere ein. Man fühlt sich an die Zeit des Kalten Krieges erinnert.

Im Nahen Osten und Asien will man Atombomben herstellen. Die USA will das unter Androhung von Waffengewalt verhindern. Ein Atomkrieg wäre ein Desaster für die ganze Welt.

In Afrika und dem Nahen Osten gibt es Stellvertreterkriege in denen die Zivilbevölkerung extrem leidet. Die UN und Hilfsorganisationen scheinen machtlos aber versuchen trotzdem zu helfen.

Leider müssen wir feststellen, dass die Nationallisten und Populisten überall wieder verstärkt Zulauf erhalten. Wir sollten ein nationales Bewusstsein nicht verwechseln mit einer nationalistischen Einstellung. Aufklärung und Nachhaltigkeit in der Politik ist hier dringend gefordert.

Nationale Interessen innerhalb Europas gefährden den Zusammenhalt und die Stabilität.
Es muss immer wieder neu ins Bewusstsein gebracht werden, dass nur ein vereinigtes Europa die Grundlage unseres heutigen Friedens ist.

Heute sind im Rahmen von UN-Mandaten deutsche Soldatinnen und Soldaten als Friedensstifter im Auslandseinsatz. Sie versuchen an den Brennpunkten der Welt Konflikte zu begrenzen und Menschenrechte zu schützen. Zusammen mit den Entwicklungshelferinnen und -helfern leisten sie einen wertvollen Einsatz auch für uns. Diese Frauen und Männer verdienen unseren höchsten Respekt und unsere Dankbarkeit. Wir wollen dafür beten, dass alle wieder gesund nach Hause kommen.

Das wir uns am Volkstrauertag hier versammeln im Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg ist auch ein Zeichen unserer stabilen Demokratie.

Und das ist ein gutes Zeichen für das ich, und ich hoffe Sie auch, sehr dankbar bin.





aktualisiert von CDU-Harsewinkel, 26.11.2017, 13:54 Uhr


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