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09.12.2014 - © 2014 Neue Westfälische Übersicht | Drucken

"Wollen Schule aus einem Guss"

Schulentwicklungsplanung auf dem Prüfstand / Neubau für Gesamtschule

05.12.2014 .
Von Richard Zelenka
Harsewinkel. Andreas Stork sorgte im Workshop zur Schulentwicklungsplanung für den emotionalen Höhepunkt, der ihm sogar den Beifall der versammelten Politiker und Pädagogen bescherte: "Wir brauchen endlich ein schlüssiges Konzept, denn es sollen nicht nur zwei Schulen zu einer neuen zusammengeklatscht werden", sagte der Gesamtschulleiter.

Zahlen und Fakten: Ulrike Lexis (rechts mit Dr. A.Wensing) vom Gütersloher Büro Dr. Garbe & Lexis analysierte im Rahmen eines Workshops die Schulsituation in Harsewinkel und gab Ausblicke für die nächsten Jahre. Foto: KHD


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Und er ergänzte: "Das musste ich jetzt sagen, sonst wäre ich heute Abend explodiert". Sein Wunsch wird vermutlich in Erfüllung gehen - es sieht so aus, als könnte sich die politische Mehrheit mit dem Vorschlag der Schulexpertin Ulrike Lexis vom Gütersloher Fachbüro Dr. Garbe & Lexis anfreunden, bis 2017 etwa 3,8 Millionen Euro in den Umbau und die Erweiterung des Schulzentrums am Tecklenburger Weg zu investieren. Im Blickpunkt steht hier ein nagelneues Selbstlernzentrum für die Gesamtschule, das möglichst bald als Anbau an die Turnhalle hinter der neuen Mensa errichtet werden soll. Entschieden ist aber nichts. Zuerst wollen die Fraktionen über die komplizierte Materie beratschlagen, bevor dann die Fachausschüsse die ersten Richtungsbeschlüsse fassen.

Rund zwei Millionen Euro würde der Neubau im Moddenbachtal kosten. Der Vorschlag der Gutachter, der in Abstimmung mit den Schulen und den Fachleuten aus dem Rathaus erfolgte, sieht die folgende Zeitschiene vor: 2015 stehen im Haushalt Planungskosten von 180.000 Euro bereit. Je 1,8 Millionen Euro werden dann 2016 und 2017 für den Neubau und eine umfangreiche Sanierung im Schulzentrum ausgegeben.

Das Selbstlernzentrum, das vor allem für den Ganztag zur Verfügung stehen soll, spielt in diesem Konzept eine Schlüsselrolle. Der Neubau solle als "Puffer" dienen für eine "zeitlich gebündelte Sanierung des Schulzentrums", wie sich die Referentin ausdrückte. "Ohne einen Neubau wäre dies nicht möglich". Die Krux ist: Im Schulzentrum, in dem neben der wachsenden Gesamtschule auch die zum Schuljahr 2017 auslaufenden August-Claas-Hauptschule und die Realschule untergebracht sind, steht rein rechnerisch zwar ausreichend Platz zur Verfügung, aber oft an der falschen Stelle und mit ungünstigem Zuschnitt. Lexis: "Die Quadratmeterzahl sagt nichts aus über die pädagogische Nutzung. Den schließlich wollen wir eine moderne Schule aus einem Guss".

Das Büro Dr. Garbe & Lexis stellte sein mit Zahlen und Daten gespicktes Gutachten im Schul-, Kultur- und Sportausschuss erstmals öffentlich vor. Es zeigte sich, dass es um eine überaus komplexe Materie handelt, die einer ganzheitlichen Betrachtung bedarf. Stichworte wie offener und gebundener Ganztag oder Inklusion müssen dabei ins Kalkül gezogen werden, "Alles hängt mit allem zusammen", formulierte es die Expertin. Klar ist: Der Schülerrückgang trifft alle Schulformen - bis auf die vor drei Jahren gegründete Gesamtschule, die jährlich um sechs Züge wächst und entsprechend räumlich ausgestattet werden muss. Um den schulischen Frieden vor Ort nicht zu gefährden, haben die Gutachter die Schulentwicklungsplanung und Raumanalyse in Abstimmung mit den Kollegien erstellt. Dabei musste so mancher eine Kröte schlucken: So auch die Gesamtschule, die wohl auf eine neue Mensa verzichten muss. "Wir sehen hier zunächst keinen Bedarf, weil die Nutzung geringer ist als erwartet", begründete Ulrike Lexis ihre Empfehlung. Eventuelle Engpässe könne man in Kooperation mit anderen Schulen beheben.

Und auch das Gymnasium muss sich gedulden, bis sich sein Wunsch nach zwei neuen Fachräumen für den Kunstunterricht erfüllen wird. Diese stehen bisher nur auf der sogenannten "Blauen Liste" der wünschenswerten Projekte, die man sich aber im Moment noch nicht leisten kann oder will. Schulleiter Lambert Austermann wies noch einmal mit Nachdruck auf den enormen Bedarf an seiner Schule nach Raumkapazitäten für den Kunstunterricht hin. Die empfohlene Kooperation mit der Gesamtschule sei eine "Mogelpackung". "Wir brauchen Kunst bald und im Cluster, wenn der Unterricht nicht ausfallen soll", sagte Austermann, der aber ausdrücklich betonte, dass er sich auch mit einer zeitnahen Gesamtlösung im Schulzentrum anfreunden könnte. "Es muss nicht unbedingt bei uns sein". "Es ist nicht alles umsetzbar, weil nicht alles finanzierbar ist", sagte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide. Und: "Alle mussten Kompromisse eingehen. Ohne eine Lösung im Bestand müssten wir alle Schulen abreißen".
 

Zu viel Raum in Grundschulen


Die Schulanalyse des Büros Dr. Garbe & Lexis konzentriert sich auf die nächsten fünf Jahre, wagt aber auch eine Prognose bis 2024. Alle fünf Grundschulen der Stadt müssen sich bis 2019 auf einen deutlichen Schülerrückgang einstellen. Laut Gutachten werden es dann insgesamt 170 Schüler (sieben Klassen) weniger sein. Die Greffener St.-Johannes-Schule wird schon 2015 einzügig, die Astrid-Lindgren-Schule und die Löwenzahnschule können nur noch zweizügig geführt werden. Die Grundschulen verfügen heute schon über einen deutlichen Raum- und Flächenüberhang, der sich noch erhöhen wird. Es mangelt aber an kleineren Räumen für Differenzierung und Inklusion. Für 2019 wurde für den Primarbereich ein Raumüberhang von insgesamt fast 1.750 Quadratmetern errechnet.

Bei den weiterführenden Schulen ergibt sich die folgende Tendenzen: Die Gesamtschule wird zur größten Schule vor Ort wachsen. Für das Jahr 2020 ist der Höchststand von 1.312 Schülern in 51 Klassen prognostiziert. Entsprechend groß ist Bedarf an Fach- und Differenzierungsräumen. Das Gymnasium muss sich auf eine sinkende Schülerzahl einstellen: von 911 (2014) auf 835 (2019). Für 2024 gehen die Gutachter gar nur noch von 721 Schülern in 30 Klassen aus (heute 38).

© 2014 Neue Westfälische - Gütersloh, Freitag 05. Dezember 2014





CDU-Harsewinkel, 09.12.2014, 08:07 Uhr
   
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