„Montagsmaler“ diskutieren fair

Kolpingsfamilie und „Die Glocke“ präsentieren Duell der Kandidaten

W.Wigger, S.Amsbeck-Doppheide, F.Thüte, J.Frerick
W.Wigger, S.Amsbeck-Doppheide, F.Thüte, J.Frerick
24.08.2009
Marienfeld (men). Die Positionen von Pferd, Löwe und Kamm im Stadtwappen genau zu bestimmen, war am Montagabend im „Waldschlößchen“ für Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide genauso schwierig wie für „Herausforderer“ Friedhelm Thüte. Und auch bei der Zahl der Harsewinkeler Wahlberechtigten am kommenden Sonntag gab es bei beiden Politikern deutliche Unsicherheit.

Vor knapp 100 Gästen, überwiegend aus den Parteien, traten die sozialdemokratische Amtsinhaberin und der christdemokratische Kandidat zur einzigen direkten Konfrontation vor der Kommunalwahl an. Schon vor fünf Jahren hatte die Marienfelder Kolpingsfamilie mit den damaligen vier Kandidaten eine Podiumsdiskussion organisiert. Am Montagabend traten die Kolpingsfamilie und „Die Glocke“ als Veranstalter auf. Begrüßt wurden die Gäste vom Vorsitzenden der Marienfelder Kolpingsfamilie, Alfred Bisping.
Pfarrdechant Wim Wigger und „Glocke“-Redakteurin Judith Frerick moderierten die kurzweilige, faire Diskussion. Sowohl die Bürgermeisterin als auch der CDU Spitzenkandidat unterschätzten die Zahl der Wahlberechtigten deutlich. Statt der von beiden vermuteten 8000 sind es genau 18 573.

Und wie das Stadtwappen wirklich aussieht, zeigte Judith Frerick den beiden Bewerbern um das städtische Spitzenamt nach deren zeichnerischen Versuchen. Aber es wurde bei der fast zweistündigen Diskussion auch durchaus ernst. Wim Wigger und Judith Frerick hatten die Themen Arbeit, Bildung, Verkehr und Stadtgestaltung , Integration und die Marienfelder „Bürgerhalle“ vorgegeben. Ziel war es, so Wigger, bei den „zwei ausnehmend sympathischen Kandidaten, die sich auch noch recht einig sind“, Unterschiede herauszuarbeiten.

Doch die Einigkeit überwog: Arbeitsplätze erhalten und Schulden abbauen sind die wichtigsten Ziele. Und es gab auch keinen Streit darüber, dass die Kinder die deutsche Sprache beherrschen sollen, wenn sie in die Schule kommen. Konkret wurde es beim Thema Innenstadtgestaltung.
Während Thüte forderte, den Schwerverkehr von der Münsterstraße zu verbannen und die Pflasterung zu erhalten, betonte die Bürgermeisterin, dass der „Schwerverkehr“ vor allem aus den TWE-Bussen bestehe, die die Innenstadtroute brauchen, um das Schnellbus-Konzept zu realisieren. „Wenn man es im Konsens entscheiden will, wird man die Münsterstraße offen lassen müssen. Nur auf dem Alten Markt wird es keinen Autoverkehr geben“ prognostizierte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide.
Ziemlich klar waren beide auch bei der Marienfelder Bürger- und Sporthalle. Friedhelm Thüte betonte, dass sie nur ohne Kredit gebaut werde. Die Bürgermeisterin erinnerte an den Ratsbeschluss, im Herbst nach Kassenlage zu entscheiden.
Recht konkret waren auch die „Visionen“ für Harsewinkel im Jahr 2015. Friedhelm Thüte erwartet deutlich stärkere Energiegewinnung vor Ort, die Bürgermeisterin, dass der Zug auch wieder für Personenverkehr hält, alle Schulen im Ganztag laufen und eigene Stadtwerke bis dahin gegründet sind. Friedhelm Thüte hält den Personenverkehr auf der Schiene für wünschenswert, aber für nicht realisierbar. Die Bürgermeisterin konterte, dass gerade der Güterverkehr auf der Schiene es nötig machen könnte, den Personenverkehr wieder einzuführen. „Wir müssen es uns leisten, wenn die Betreiber es für wirtschaftlich erforderlich halten“, sagte sie und betonte, dass auch der Straßenverkehr „ein Vermögen koste“. Den Mähdreschertransport von der Schiene auf die Straße zu verlagern, sei nicht möglich.


Bei Prognose geht Meinung auseinander

Marienfeld (men). Bei der Prognose für die Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag waren sich die Kandidaten natürlich nicht einig. Beide glauben an ihren eigenen Sieg, Thüte, „weil ich antrete“, Amsbeck-Dopheide „weil ich keine großen Fehler gemacht habe“. Während die Bürgermeisterin bei einer Niederlage nicht mehr dem Rat angehören wird, zieht Thüte als Spitzenkandidat der CDU auf jeden Fall wieder ein, auch wenn er in seinem Wahlkreis nicht direkt gewählt werden sollte.

Eine knappe halbe Stunde stand vor den Prognosen für den 30. August für die freie Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung. Dabei wurde vor allem die Bürgermeisterin angesprochen. Im Mittelpunkt stand die geplante Bücherei in Brentrups Garten, die Radweg-Situation in Marienfeld, Lärmschutz für die Pattbrede und Franz Jungs Ikonenmuseum. Friedhelm Thüte schlug dem Marienfelder vor, mit der mennonitischen Gemeinde ins Gespräch zu kommen. „Das alte Gemeindezentrum könnte dafür ein geeigneter Raum sein“. Theo Ortkras machte der Bürgermeisterin heftige Vorwürfe, dass sie den Mietvertrag für die neue Bücherei unterschrieben habe, musste sich aber belehren lassen, dass sie die Ratsbeschlüsse auszuführen habe.


© 2009 Die Glocke - 26. August 2009

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