Volles Haus bei der Berufsoffensive

220 Schüler der Klassen 8 und 9 informieren sich in 27 Betrieben über Ausbildungsinhalte

09.10.2009
Pressebericht der NW:

VON UWE POLLMEIER
© 2009 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Freitag 09. Oktober 2009

Harsewinkel. Der Gesichtsausdruck der 16-jährigen Zelal Calgin ist deutlich. Auf ihre Frage nach den Voraussetzungen für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau hätte sie sich eine andere Antwort gewünscht. „Gute Englischkenntnisse sind sehr von Vorteil, da wir viele ausländische Gäste haben“, sagt Jürgen Thimm, der gemeinsam mit seiner Frau Verena das Amadis Hotel im Stadtzentrum leitet. Immerhin ist die Hauptschülerin nun um eine Erkenntnis reicher – und genau darum ging es in erster Linie bei der 10. Auflage der Berufsoffensive.



Die Junge Union (JU) Harsewinkel hatte eingeladen, und 27 Betriebe meldeten sich, um 220 Schülern der 8. und 9. Klassen ihren Berufsalltag näher zu bringen. Zelal Calgin und ihre Freundinnen Rachel Kumru und Ayse Özbey aus der Klasse 9 d der August-Claas-Hauptschule haben sich für den Beruf der Hotelfachfrau entschieden. 2008 waren sie schon einmal bei der Berufsoffensive dabei; die Einblicke in Versicherung, Einzelhandel und Anwaltskanzlei haben sie jedoch nicht überzeugt. „Den Beruf der Hotelfachfrau könnte ich mir da schon eher vorstellen“, sagt Rachel (16). Trotz kleinem Lehrlingsgehalt von gut 400 Euro weckt das abwechslungsreiche Berufsbild das Interesse vieler Jugendlichen. „Zu den Aufgabenbereichen zählen die Arbeit an der Rezeption, Serviceleistungen wie etwa das Servieren des Frühstücks oder auch das Reinigen der Zimmer“, erläutert Thimm. Für das kommende Jahr sucht er für sein Drei-Sterne-Hotel mit 46 Betten noch einen Auszubildenden.

Nur wenige Meter weiter erklärt Versicherungskaufmann Markus Kiffmeier drei Jugendlichen den dreijährigen Weg vom Schulabgänger zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. „Ihr müsst mindestens einen Realschulabschluss haben und euch darauf einstellen, dass ihr für den Berufsschulunterricht das Rudolf-Remple-Berufskolleg in Bielefeld-Brackwede besuchen müsst“, sagt Kiffmeier. Julia Markmeier aus der Klasse 8 a des Harsewinkeler Gymnasiums hatte dies schon geahnt, schließlich ist ihr Vater in der Branche tätig, und sie hat schon einige Einblicke gewinnen können. „Ich finde den Beruf sehr interessant. Da mein Vater sein Büro zuhause hat, bekomme ich oft mit, wie seine Arbeit abläuft“, sagt Julia.

Den größten Andrang erlebte in diesem Jahr das Café Buchmann. Insgesamt 16 Jugendliche, darunter nur ein Junge, stehen dicht gedrängt in der Backstube und hören zu, was Konditormeister Jörg Buchmann über die Ausbildung zum Konditor zu sagen hat. „Zu euren Aufgaben gehören etwa das Backen oder Garnieren und seit zwei Jahren auch das Zubereiten von kleinen Speisen“, erklärt Buchmann. Dazu zählen beispielsweise Salate, französische Quiches oder mit einer herzhaften Paprika-Salami-Füllung verfeinerte Croissants. „Wir produzieren hier auch noch selber Pralinen, was jedoch sehr zeitaufwendig ist“, so Buchmann. Beim Garnieren mit Ornamenten sind eine ruhige Hand und ein wenig Geschick gefragt. „Aber keine Angst, alles ist erlernbar. Selbst wer in Kunst schlecht ist, hat alle Möglichkeiten in unserem Beruf“, beruhigt Buchmann. Jedoch kann er im kommenden Jahr voraussichtlich keinen Auszubildenden einstellen. Auch wenn im Rahmen der Berufsoffensive sein Betrieb am beliebtesten war, geht es bundesweit mit den Konditorarbeitsplätzen bergab. „Wir können nur durch Individualität und Qualität punkten. Preislich gesehen, haben wir gegen das Angebot der Discounter keine Chance“, sagt der Konditormeister mit nachdenklicher Miene.

© 2009 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Freitag 09. Oktober 2009
 

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