Beispielhafte Lebensleistung

Mathilde Bartsch verabschiedet sich vom ökumenischen Sozialfonds

Zum Wohlsein: Mathilde Bartsch und ihr Nachfolger Klaus Langert (vorn) stoßen mit Pfarrdechant Wim Wigger, Sabine Amsbeck-Dopheide, Marlies Ibrügger, Pfarrer Martin Liebschwager und Ludger Ströker (Stadtverwaltung, v. l.) auf die Zukunft an. FOTO: MEINOLF
Zum Wohlsein: Mathilde Bartsch und ihr Nachfolger Klaus Langert (vorn) stoßen mit Pfarrdechant Wim Wigger, Sabine Amsbeck-Dopheide, Marlies Ibrügger, Pfarrer Martin Liebschwager und Ludger Ströker (Stadtverwaltung, v. l.) auf die Zukunft an. FOTO: MEINOLF

30.06.2010 
Sie gilt als Wohltäterin und guter Geist, der lieber im Stillen und ehrenamtlich im Hintergrund wirkt. Mathilde Bartsch hat sich seit 50 Jahren in ungewöhnlich vielfältiger Weise um ihre Mitmenschen gekümmert. Nun aber tritt sie etwas kürzer.

VON MEINOLF PRAEST © 2010 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Mittwoch 30. Juni 2010

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Nach Krankheit und Kur wieder genesen, wurde Mathilde Bartsch (82) gestern in einer kleinen Feierstunde im Rathaus aus ihrer Verantwortung als Geschäftsführerin des ökumenischen Sozialfonds verabschiedet. Ihr Nachfolger ist der Pensionär Klaus Langert (64), der bei der Gütersloher Tafel im Caritaskreis St. Paulus aktiv ist.

Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide würdigte die Lebensleistung Mathilde Bartschs als „beispielhaft“. In ihrer Zugewandtheit und Zuneigung zu anderen Menschen sei sie ein Vorbild. Auch Pfarrdechant Wim Wigger lobte ihren steten Einsatz: „Sie haben immer neue Ideen entwickelt. Es ist bemerkenswert, wie Ihnen die Herzen der Menschen zugeflogen sind.“

Gegründet wurde der ökumenische Sozialfonds im Jahre 1983. Mit Marlies Ibrügger von der evangelischen Kirchengemeinde, die ihrer Kollegin gestern in Reimform dankte, und dem städtischen Sozialamt stimmte Mathilde Bartsch die Vergabe von Hilfen aus dem Fonds ab. Oft hatte sie direkten Kontakt zu den Adressaten und kannte die familiäre Lage. So kamen 1989 viele Aussiedler nach Harsewinkel – zusammen mit Doris Claas packte sie tatkräftig an und erleichterte vielen Familien den Start im Westen.

Seit 2002 verwaltete Mathilde Bartsch den ökumenischen Sozialfonds. In diesen Jahren wurden fast 56.000 Euro durch Spenden und Aktionen eingenommen und an bedürftige Familien weitergegeben. Zu nennen sind vor allem Spenden der Familie Claas aus Anlass des Dreikönigstreffens und der Aktion „Die gute Tat“ von Berni Dirkorte.

Seit 1986 war Mathilde Bartsch, die sich von 1969 bis 1979 auch als CDU-Ratsmitglied und Sozialausschussvorsitzende in die Kommunalpolitik einbracht hatte, immer dienstags in der Caritas-Sozialstation erreichbar. Ohne großes Aufsehen hatte sie Ende der 1960er Jahre die Caritasgruppe in St. Paulus aufgebaut. In der Kirchengemeinde initiierte sie seit 1970 Basare, zunächst in der Paulusschule (der heutigen Astrid-Lindgren-Schule). Der Reinerlös betrug seinerzeit mehr als 14.000 D-Mark.

Auch über Harsewinkel hinaus war Mathilde Bartsch im Bereich der Caritas tätig. Sie knüpfte Kontakte zum Dekanats- und zum Diözesan-Caritasverband. Wigger: „Dabei hat sie den Kontakt zur Basis mit den konkreten Problemen nie verloren und ist auch zum Beispiel heute noch in der Flüchtlingshilfe tätig.“ 2007 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, 2008 die goldene Caritasnadel. Mathilde Bartsch regte zudem die Zusammenarbeit mit der Gütersloher Tafel an, die in jeder Woche Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Sie hat ein Netz von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut und bis vor einiger Zeit selbst bei der Verteilung mitgearbeitet.

„Ich könnte heulen, dass ich aufhören muss – aber es geht nicht anders. Ich habe mit der ganzen Welt korrespondiert und durchgesetzt, was ich angepackt und gewollt habe – und darauf bin ich stolz“, zog Mathilde Bartsch gestern ein persönliches Resümee. Aber auch mit 82 Jahren setzt sie sich noch lange nicht zur Ruhe. Seit die Oase, der Stadtteiltreff auf dem Rövekamp, eröffnet wurde, bietet sie dort Sprechstunden an und steht Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite – ganz so, wie es ihre Art ist.

Aus Münster

Mathilde Bartsch stammt aus Münster. In Lübeck absolvierte sie ein Studium zur physikalischen Assistentin – schon damals engagierte sie sich auch im sozialen Bereich. 1960 zog sie mit ihrem Ehemann Winfried (†), der bei Claas eine führende Position bekleidete, nach Harsewinkel. Auch während ihrer Familienzeit (drei Kinder) war sie ehrenamtlich tätig.


© 2010 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Mittwoch 30. Juni 2010

 

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