Elimination von Mikroschadstoffen im Abwasser

Sitzung des Betriebsauschuss am 28.09.2011

Karl-Heinz Diederichs
Karl-Heinz Diederichs
28.09.2011
Zur Sitzung des Betriebsauschuss am 28.09.2011 hatte die Betriebsleitung des Klärwerks eingeladen. Schwerpunkt der Sitzung war der Einstieg in die Thematik;
„Weitergehende Abwasserreinigung im Sinne der Elimination von Mikroschadstoffen“

Die Vorträge hielten Herr Regierungsbaudirektor Bert Schumacher von der Bezirksregierung Detmold und Herr Dipl.-Ing. Alt von der Firma Hydro-Ingenieure.

 





 






Mikroschadstoffe  - Definition aus der Verwaltungsvorlage:
Unter Mikroschadstoffe versteht man Rückstände von Arzneimitteln, Industriechemikalien, Desinfektionsmitteln, Röntgenkontrastmittel, Zusatzstoffe in Lebensmitteln usw. die bei der herkömmlichen Abwasserreinigung nicht aus dem Abwasser eliminiert werden können. Diese Stoffe belasten zunehmend die Gewässer und das Grundwasser. Einwandfreies Grundwasser ist die wichtigste Ressource für die öffentliche Trinkwasserversorgung. Eine wesentliche Rolle zum Schutz der öffentlichen Trinkwasserversorgung stellt die Vermeidung der Einleitung von Mikroschadstoffen in die Gewässer dar.


Beschlussvorschlag der Betriebsleitung:

1. Der Betriebsausschuss beschließt, einen Förderantrag für einen großtechnischen Versuch zur Elimination von Spurenstoffen an der Kläranlage Harsewinkel beim Land NRW zu stellen.

2. Der Betriebsausschuss behält sich vor, eine Entscheidung über die Durchführung des großtechnischen Versuchs erst nach dem Vorliegen des Zuwendungsbescheids zu treffen.



Friedhelm Thüte auf dem Faulturm des Klärwerks


Kurzfristig ist dazu eine Investition in der Höhe von ca. 200.000 Euro nötig.
Es besteht eine gute Chance diesen Betrag zu 80% durch das Land fördern zu lassen.
Bei einem erfolgreichen „Großversuch“ kommen dann Investitionen in Millionenhöhe auf die Stadt zu. Förderung könnte dann bei 60% liegen.


Warum ist die „Elimination von Mikroschadstoffen“ für Harsewinkel ein Thema?

Im immer stärkeren Umfang finden sich Mikroschadstoffe in unseren Gewässern wieder. Der steigende Verbrauch der Medikamente führt zu mehr Ausscheidungen und damit zu größeren Volumen im Abwasser.

Beispielsweise der Verbrauch einiger Medikamente in Deutschland:

Schmerzmittel Ibuprofen 344.887 kg/Jahr
Stimmungsaufheller Carbamazepin 87.605 kg/Jahr
Rheumamittel Diclofenac 85.800 kg/Jahr
Betablocker Metroprolol 93.000 kg/Jahr

Tendenz steigend.

Diese Mikroschadstoffe können mit der heutigen Technik nicht aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Sie werden also in die Fließgewässer eingeleitet.

Diese Mikroschadstoffe werden auch nicht abgebaut. Sie gelangen über das Wasser wieder zurück in unsere Nahrungskette. Die Konzentration steigt zwangsläufig mit allen damit verbundenen gesundheitlichen Problemen.

In den sehr informativen Vorträgen Herrn Schumacher und Herrn Dipl.-Ing. Alt wurden die Ausschussmitglieder mit dem Thema vertraut gemacht. (Die Präsentationen stehen im Ratsinformationssystem der Stadt Harsewinkel bereit zur Ansicht.)

Das Klärwerk Harsewinkel befindet sich in einem guten technischen und wirtschaftlichen Zustand. Die eingeleitete Wasserqualität ist überdurchschnittlich gut.

Sich auf hohem Niveau frühzeitig neuen Herausforderungen zu stellen macht auch wirtschaftlich Sinn.
Die heutige Konfiguration des Abwasserbetriebs bietet sich für eine erweiterte Reinigung mit granulierter Aktivkohle (GAK) an.

Außerdem könnten unter Umständen noch Fördermittel generiert werden. Also kommt eine frühe Investition womöglich günstiger wie eine späte Pflichtumstellung.

Denn die Problematik mit den Mikroschadstoffen wird an Bedeutung gewinnen.
Der Verantwortung können wir uns nicht entziehen und die Gesetze werden in einigen Jahren strenger werden.

Zunächst stimmt der Ausschuss dem Verwaltungsvorschlag zu.
Eine Machbarkeitsstudie ist unumgänglich.
Denn dieses Thema ist auch für die Wissenschaft, Ingenieurbüros und Behörden Neuland.

Karl-Heinz Diederichs
CDU-Mitglied im Ausschuss

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