Senioren Union betrachtete den Islam theologisch

Start der Programmserie „Grundwerte d. Gesellschaft – Menschrechte – Grundgesetz“

Cemil Sahinöz
Cemil Sahinöz
27.02.2012
Den Start der Programmserie „Grundwerte d. Gesellschaft – Menschrechte – Grundgesetz“ verlief sehr erfolgreich. In der Einführung zum ersten Themenkreis sprach Egon Möllenbrock den Zustand und verschiedene Entwicklungen in unserer Gesellschaft an, die im vergangenen Jahr sehr häufig die Medien beherrschten.

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Mit diesem Programm möchte die SU einen Diskurs beginnen und sich dabei mit den Grundwerten der Gesellschaft sowie den Menschenrechten unter Einbeziehung des Grundgesetzes befassen. Dabei führe ein Themenkreis, der des Islam, immer wieder zu z. T. sehr kontroversen Diskussionen. Unterschieden werden müsse dabei aber zwischen dem „theologischen“ und dem „politischen“ Islam. Letzteren erlebten wir häufig in seinen nahezu ausnahmslos negativen Facetten. Der fundamentalistische Islam und die sogenannten Scharia-Staaten sorgten bis in die Aktualität hinein für das anhaftende Negativbild des Islam. Über positive, den Islam betreffende Ereignisse, sei absolut nichts in den Medien zu finden.



Zu Beginn der Serie startete die SU im Harsewinkeler Heimathaus mit einer kurzfassende Einführung und theologischen Betrachtung des Islam. 46 Interessierte folgten der in erfrischender Form vorgetragenen Präsentation durch Cemil Sahinöz. Von den christlichen Gemeinden vertrat nur Herr Wigger die katholische Seite.

Herr Sahinöz steht als Muslim fest in seinem Glauben und spricht sich für eine zeitgemäßere Auslegung / Interpretation des Islam aus. Der deutsch-türkische Soziologe, Doktorand der Theologie, Philosophie und der Islamwissenschaften spricht sich aus für eine deutsche Kultur des Islam, der auf Fragen deutscher Muslime dann auch deutsche Antworten gibt.
Nach Informationen zur Verbreitung des Islam erläuterte der Referent die unterschiedlichen Gruppierungen des Islam, bei denen die Sunniten ca. 85% ausmachen. Dem folgte die Aufgliederung nach in Deutschland vertretenden Moscheevereinen und Dachverbänden. Über die 5 Säulen des Islam und die Scharia  führte der Vortrag zum Koran und den Hadithen . Angesprochen wurde der nun auch in NRW einzuführende islam. Religionsunterricht, die Ausbildung der Pädagogen und auch der Imame in Deutschland.
Wegen des enormen Umfangs des Islams konnte in dem 90-minütigen Referat sehr Vieles gar nicht angesprochen werden.

Mit Fragen zum Verständnis des theologischen Islam setzte bereits während der Präsentation und auch im Anschluss an das Referat eine sehr lebhafte Diskussion ein. Die Aktualität wurde angesprochen: „ Glaubensfreiheit“ - im Iran ist ein Muslim zur „protestantischen evangelischen Kirche“ konvertiert, wirkt dort als Pfarrer und muss nach der im Iran geltenden Scharia (islam. Rechtsform) wegen Abfall vom Islam (Apostasie) mit der Hinrichtung rechnen. Ferner diskutierte man  in Bezug auf Religions-/Glaubensfreiheit innerhalb des Islam über eine Fatwa (Rechtsgutachten) eines saudi-arabischen Rechtsgelehrten, der eindeutig in einem Interview davon sprach, dass der Islam „keine“ Glaubensfreiheit verkündet. In beiden Fällen zog sich der Referent auf den Standpunkt zurück, dass diese Missstände nicht seitens der sunnitischen Muslime verursacht würden -  die mit ca. 85 % die Mehrheit innerhalb des Islams stellen.
Zur in Deutschland immer wieder diskutierten Zwangsverheiratung als auch den Ehrenmorden informierte H. Sahinöz, beide seien im Islam verboten. Diese gäbe es trotzdem (wie auch andere Straftaten), jedoch andere Kulturkreise und Glaubensformen – nicht aber die sunnit. Muslime - wären die Verursacher. 

Nach diversen strittigen Standpunkten wurde seitens der Zuhörerschaft angeregt, die Muslime sollten sich „eindeutiger“ von allen dem Islam evtl. zu unrecht zugeschriebenen Vorwürfen und Taten in allen Medien distanzieren. In den Medien sei allgemein viel zu wenig und überwiegend nichts Positives über den Islam zu erfahren. Durch bessere und zahlreichere Informationen könnten die Muslime in Deutschland in der Öffentlichkeit für ein besseres positiveres Bild des Islam werben und vielleicht auch mehr Verständnis für diese  Glaubens- und Kulturform erwarten.

Die SU wird diese Serie in der ersten Septemberwoche fortsetzen. Dann wird ein Jurist und gleichzeitig Theologe zu folgendem Thema referieren:
Das Menschenbild des Grundgesetzes und des Korans.
Ist der Islam demokratiefähig?

Der Referent nahm als Delegierter der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Frankfurt) teil an einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Menschrechte und hielt bereits zahlreiche Referate zu dem vorgenannten und ähnlichen Themenkreisen.

Egon Möllenbrock

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