SU: Deutschlands größten Schweinefleischproduzenten Tönnies besichtigt

14.01.2014 .
Die auf 25 Personen begrenzte Interessentenschar wurde durch den Geschäftsführer Josef Tillmann begrüßt. Er ließ es sich nicht nehmen, die Seniorengruppe persönlich über den Werdegang des Unternehmens Tönnies ausführlich zu informieren.


Das bedeutet, von der ursprünglichen Metzgerei über den Zerlegebetrieb in Herzebrock hin zum stetig expandierenden Schlachthof, an den sich ab ca. 2000/1 der Zerlegebetrieb anschließt bis hin zur Weiterverarbeitung und Verpackung für die zahlreichen (auch bekannten großen) Kunden/Ketten ab 2002. Das geschlachtete Schwein wird bei Tönnies zu 100% verwertet, so Tillmann.

Das Unternehmen ist die Nummer eins unter den deutschen Schweinefleisch-Produzenten. Die Rindfleischproduktion wurde ab 1999 aufgebaut. An vier Standorten wird geschlachtet und das Rind dann grob in zwei Stücke  zerlegt. Die Großteile liefert man  in Rheda an, die man dann hier zu Endprodukten marktgerecht zerlegt und verpackt. In zwei großen Hochregal-Kühlhäusern betreibt man eine mannlose chaotische Einlagerung auf Paletten.

Im Zusammenhang mit den aktuellen Berichterstattungen über den Fleischmarkt „Zurück zum Sonntagsbraten“ führte Tillmann aus, dass der deutsche Markt stagniere und der Zuwachs ausschließlich durch den Export mit aktuellem Anteil von 55% gesichert wird. Auf Nachfrage informierte Geschäftsführer Tillmann über die Expansion in Russland. Hier investiert Tönnies in Kooperation mit einem russischen Partnerunternehmen. Größere Ländereien seien bereits erworben, der Geschäftspartner als Landwirtschaftsspezialist betreibe die Produktion von Getreide für die z. T. bereits neu errichteten Mastställe und Tönnies schlachte in seinem noch zu errichtenden neuen Schlachtbetrieb und verarbeite das Fleisch nach Rheda-WD - Beispiel. 

In Rheda-WD beschäftigt man ca. 6.000 Mitarbeiter. Unter Leitung des DRK betreibt Tönnies einen Kindergarten, in dem man sich aktuell um 71 Kinder kümmert. In dem angrenzenden relativ neuen Stadion trainieren 18 Werksteams ihre Fitness. Die Damen-Fußballmannschaft des FSV - Gütersloh, bis zur letzten Saison noch in der 1. Bundesliga, nutzen die großzügige Sportanlage. 

Der im Haus für die Landwirtschaft (Erzeuger) zuständige Mitarbeiter Herr Eynck übernahm die Gruppe. Nach seinen Aussagen stammen von den täglich geschlachteten ca. 25.000 Schweinen nahezu 85 % aus der max. 100-120 km von Rheda-WD entfernten Landwirten. Anhand von Kennzeichnungen auf den Schweinehälften konnten sich die SU’ler davon überzeugen. Die am Förderband vorbeiziehenden Tiere stammten aus den Kreisen Gütersloh, Minden, Höxter und Warendorf. Mittels mit den Erzeugern  abgestimmten  Qualitätsvereinbarungen sichert Tönnies eine hohe Fleischgüte. Eynck führte die Gruppe durch den gesamten Betrieb „Schwein“, angefangen bei der Anlieferung und Zuführung der Schweine zur Schlachtung (Begasung mittels Paternoster-System), Ausblutung und Entnahme der Innereien, Grob- und Feinzerlegung sowie Weiterverarbeitung und abschließender Verpackung. Die Qualität des Fleisches sichern das im Haus angesiedelte Veterinär-Amt (25 Mitarbeiter/-innen vom Kreis GT) sowie eine Vielzahl eigenes QS-Personal. Immer wieder mussten die Gruppe, aber auch die Beschäftigten, Desinfektionsschranken passieren. Eynck informierte, dass Tönnies am Tag ca. 5m³ Frischwasser verbrauche, was einer Menge von nur 100-120 l je geschlachtetes Schwein entspreche (kleine Metzgereien verbrauchten dagegen ca. 250 l je Schwein).

Das Werk verfüge über einen 28 MW-Stromanschluss. Man sei in Überlegungen, evtl. 1/3 der Energie selbst zu erzeugen. In der abschließenden Fragerunde konstatierte Enyck, dass der geplante Mindestlohn von 8,50 € für Tönnies kein Problem darstelle, da man diesen Lohn bereits bezahle. Dieser Mindestlohn sorge eher für mehr Wettbewerbsgerechtigkeit in der Branche. Trotz bereits 720 € Ausbildungsvergütung im 1. Ausbildungsjahr kann Tönnies nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen. In allen Ausbildungsberufen, auch kaufmännischen, fördere man „gute“ Leistungen durch entsprechende Weiterbildungen zu Meistern oder betriebswirtschaftlichen Studiengängen.

Für die SU dankte der Projektverantwortliche Egon Möllenbrock den Herren Tillmann und Eynck für alle Informationen sowie den ausführlichen Einblick in das Unternehmen: „Die Hausschlachtung haben die meisten von uns noch erlebt und heute lernten wir die industrielle Fleischproduktion kennen, von der wir absolut beeindruckt den Heimweg antreten werden“.

Egon Möllenbrock

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