Einsatz mit Spaten und Schippe

Mehr Menschen für die Pflege von städtischen Grünflächen gewinnen

13.05.2014 .
Von Richard Zelenka © 2014 Neue Westfälische

Harsewinkel. Rudi Wesselmann macht es vor: Seit dem Bau des Kreisverkehrs an der Brockhäger Straße/Berliner Ring ("Lidl-Kreisel") ist der 69-Jährige regelmäßig täglich mit Spaten und Schäufelchen im Einsatz, um das Bauwerk mit der auffälligen Skulptur mittendrin ansehnlich zu halten. Die Arbeit geht ihm leicht von der Hand - ist doch der CDU-Mann, der bei der anstehenden Kommunalwahl nach vielen Jahren nicht mehr für den Rat kandidiert, gelernter Gärtnermeister.


Für ein schöneres Harsewinkel: Seit Jahren pflegt Rudi Wesselmann ehrenamtlich den Lidl-Kreisel. Etwa drei Stunden im Monat wendet er dafür unentgeltlich auf. Er hofft, dass andere seinem Beispiel folgen.
Foto: Richard Zelenka


Etwa drei Stunden im Monat investiert Rudi Wesselmann im Sommer in die Pflege des Kreisels, auf dem Rosen, Kirschlorbeer und Taxushecke gedeihen. "Dafür bekomme ich keinen Cent und will auch nichts haben", sagt er. Wesselmann hofft, dass bald viele seinen Beispiel folgen werden. "Es gibt doch so viele junge Menschen und Rentner, die dafür Zeit hätten".

Noch gehört aber zu den wenigen Verbliebenen, die in Harsewinkel bereit sind, unentgeltlich ihren Beitrag zur Pflege städtischer Grünanlagen zu leisten. Das stößt einigen Politikern sauer auf. So auch Ralf Dräger (SPD), der das Thema aus der Versenkung hervorholte und dafür sorgte, dass nach fast zweijähriger Pause über die Pflege öffentlicher Grünanlagen wieder in einem Fachgremium, dem Umweltausschuss, beraten wurde. Wenn es schon nicht gelinge, genügend Freiwillige für die Pflanzbeetpflege zu gewinnen, dann sollte man wenigstens darüber nachdenken, diese Aufgaben in Zukunft dem städtischen Bauhof zu übertragen oder in die Hände eines Fremdunternehmens zu legen, mit der entsprechenden Erhöhung des Haushaltsansatzes, so Dräger.

Der Tenor im Umweltausschuss war einhellig: Es müsse alles unternommen werden, um noch mehr Bürger, Vereine, Verbände oder Unternehmen dafür zu begeistern, auf ehrenamtlicher Basis Pflegepatenschaften für Pflanzbeete im öffentlichen Verkehrsraum zu übernehmen. Im Idealfall könnten auf diese Weise ganze Straßenzüge aus der städtischen Pflege herausgenommen werden, hieß es.

Wie berichtet, hatte die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 ein dickes Loch in den städtischen Haushalt gerissen. Unter dem Motto "Rotstift im Grünbereich" sollte 2010 auch bei der Pflege öffentlicher Flächen ein Beitrag zur Sanierung der Finanzen geleistet werden. Die Streichliste umfasste nahezu alle Bereiche der Grünanlagenunterhaltung: Eine Anzahl von Spielplätzen wurde in private Grünflächen umgewandelt, der Pflegeaufwand in den Grün- und Parkanlagen sowie auf Aschen- und Bolzplätzen eingeschränkt. Ein heikles Thema war die Kündigung der Pflegeverträge, die seit den 90er Jahren mit Anliegern abgeschlossen wurden, die seitdem gegen ein geringes Entgelt städtische Pflanzbeete vor ihrer Haustür pflegen. Zuletzt bestanden 227 Verträge (130 in Harsewinkel, 62 in Marienfeld, 35 in Greffen). Es wurden jährlich rund 17.000 Euro ausgezahlt.

Das Thema ist nicht ganz in Vergessenheit geraten. "Die Maßnahmen sind aber erst in den Anfängen vorbereitet. Zurzeit fehlt es an den erforderlichen Zeitkapazitäten, um das Projekt in Eigenregie weiter zu bearbeiten", lautete die ernüchternde Bilanz von Stefan Volmering, im Rathaus unter anderem für den Bereich Tiefbau und Eigenbetriebe zuständig. "So ein Thema muss ein Gesicht haben, es braucht einen Kümmerer. So etwas steht mir aber derzeit nicht zur Verfügung. Es wäre aber schade, wenn wir das Thema ganz beerdigen würden", sagte Volmering. Stefan Rieping (Grüne) wies darauf hin, dass ein derartiger Einsatz auch eine Generationsfrage sei. "Es sind vor allem die Älteren, die bereit sind, sich zu engagieren".


Seit 2012 lag das Thema Pflanzbeetpflege auf Eis.

Damals war es die UWG, die sich nach der Kündigung der Pflegeverträge mit Privatpersonen, Sorgen um das Stadtbild machte und einen Neuanfang forderte.

Es wurde angeregt, verstärkt für dieses bürgerschaftliche Engagement zu werben - allerdings auf freiwilliger Basis.

 
© 2014 Neue Westfälische - Gütersloh, Dienstag 13. Mai 2014 





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