Albert Deittert
Albert Deittert
28.03.2006

Sondersitzung zur Verabschiedung des Schulentwicklungsplans für Harsewinkel.

Dazu die Position der CDU-Fraktion:

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FAKTEN

Die Prognose ergibt zwei erfreuliche Fakten
1. In Harsewinkel wird keine der normalen Schulen geschlossen werden müssen. Kritisch ist lediglich die Schülerzahlenentwicklung bei der Förderschule zu sehen.
2. In Harsewinkel wird kein zusätzlicher Schulraumbedarf zu befriedigen sein. In den kommenden Jahren ist eher ein leichter Überhang zu erwarten, der dazu führen könnte, dass einzelne Räume für schulnahe Zwecke anderweitig genutzt werden können (z.B. VHS).


KRITISCHE PUNKTE
1. Übergangsquote zu den weiterführenden Schulen weicht deutlich ab zischen den einzelnen Grundschulen in Harsewinkel (beim Gymnasium zwischen Greffen und Marienfeld z.B. ca. 10 %), von den Durchschnittswerten auf Landesebene und von den Durchschnittswerten vergleichbarer Nachbargemeinden (z.B. beim Gymnasium zwischen Harsewinkel und Herzebrock ca. 8%).
Das könnte zu einer Chancenverminderung für Harsewinkeler Schüler vor allem aus HS und teilweise auch aus der RS auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt führen.
2. Die Auslese am Gymnasium scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich scharf, da trotz geringerer Zugangsquote die Abwanderungsquote vor allem Ende 8 und Ende 10 deutlich größer ist als im Landesdurchschnitt.

In beiden kritischen Punkten besteht u.E. Handlungsbedarf.
Auch wenn man davon ausgeht - und die CDU Fraktion ist überzeugt davon - , dass der große Zustrom zur Hauptschule vor allem durch die gute Arbeit dieser Schule in Harsewinkel bedingt ist, dürfen wir doch eins nicht vergessen: Angesichts der Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt könnte u.U. die Chancengleichheit der Kinder in Harsewinkel nicht auf Dauer gesichert sein, denn für viele Berufe, die früher durchweg mit einem Hauptschulabschluss zugänglich waren, wird heute der Realschulabschluss oder das Abitur vorausgesetzt.



Nun zu den Einzelheiten:

Vom Durchschnitt abweichende Schülerverteilung
Welche Gründe mögen der abweichenden Schülerverteilung auf die verschiedenen Schularten zugrunde liegen? Ich sehe vor allem drei mögliche Gründe:
1. Die Grundschulen wenden innerhalb Harsewinkels und im Vergleich mit dem Landesdurchschnitt unterschiedliche Qualitätsmaßstäbe an.
(Das müsste genauer untersucht werden, aber aus der Sicht des Gymnasiums hat man aufgrund der uns vorliegenden Daten und unserer Beobachtungen keinen Anlass für diese Vermutung.)
2. Eltern folgen der Empfehlung der Grundschule zu einem „höheren“ Bildungsgang nur zögernd.
(Aus Gesprächen mit Eltern und Grundschullehrern vermute ich, dass das in etlichen Fällen zutrifft)
3. Kinder in Harsewinkel werden nicht von Anfang an so gefördert, dass sie ihre Begabung optimal entwickeln können.
(Darüber liegen uns keine empirischen Daten vor. Wir können da nur mutmaßen.)


Schülerzahlenentwicklung des Gymnasiums Ende 10
1. Mehr als die Hälfte der Schulwechsler bricht nicht ab, sondern wechselt zu einem anderen Gymnasium (im letzten Jahr 8 von 15)
2. Einzelne Schüler wechseln das Gymnasium, um ein passenderes Kursangebot zu haben, da größere Schulen hier eine größere Auswahl bieten können
3. Realschulabsolventen bevorzugen das AWG in Warendorf, da der Unterricht dort aufgrund der Zahlen in der 11 in speziellen Kursen für Realschulabgänger organisiert werden kann.

Beim Übergang der Realschulabsolventen sehe ich durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten durch intensivere Abstimmung mit der Realschule bei der Beratung Information der Schüler und durch ein besseres Angebot des Gymnasiums für Realschulabsolventen.
Insgesamt aber sehe ich die Situation nicht als dramatisch an. Alarmierend sind diese Zahlen aus meiner Sicht nicht.

Schulformwechsel Ende 8
In der Tat sind die Zahlen hier überraschend groß. Das ist der Schule allerdings schon seit längerer Zeit aufgefallen und im Gymnasium sind schon seit längerer Zeit Überlegungen über mögliche Gründe und mögliche Abhilfen angestellt worden.
Es liegen sicher viele Gründe vor, die sich aus dem familiären und sozialen Umfeld vor, die wir als Schule nicht direkt beeinflussen können.
Wenn im Umfeld der Schüler die Ansicht vorherrscht, es ei doch wohl besser einen soliden und handfesten Beruf anzusteuern als jahrelang „herumzustudieren“ ist es für einen jungen Menschen natürlich schwer, Durststrecken im Gymnasium durchzustehen. Und es dürft kein Zweifel sein, dass diese Einstellung im Umfeld unserer Schüler weiter verbreitet ist als z.B. in manchen Großstadtbezirken.
Im Kern lösen können wir das Problem allerdings nur selbst in der eigenen Schule:
Wir müssen die individuelle Förderung unserer Schüler mit den verschiedensten Methoden verstärken. Das scheint ja auch eines der Erfolgsrezepte zu sein, die Länder anwenden, die in der PISA - Studie gut abgeschnitten haben. Das wird einer der pädagogische Hauptausgaben des Gymnasiums in den nächsten Jahren sein. Wir sind dabei. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.


WAS IST ALSO INSGESAMT ZU TUN?

Auch wenn wir noch keine abschließende Klarheit über die möglichen Gründe haben, können wir doch schon einige Punkte erkennen und benennen, wo wir ansetzen müssen:

1. Die Grundschulempfehlungen müssen weiter verbessert und validiert werden.
(Die regelmäßige Teilnahme der Grundschullehrer an den Erprobungskonferenzen der weiterführenden Schulen bieten dafür schon einen guten Ansatz. Diese Ansätze könnten verstärkt werden durch Absprachen und Vergleiche der Grundschulen untereinander.)

2. Eltern und Schüler müssen sachlich und eingehend informiert werden über die Möglichkeiten, die die verschiedenen Schulabschlüsse bieten.
(Die üblichen Informationsveranstaltungen an den Grundschulen könnten da vielleicht noch verbessert werden.)

3. Die Fördermaßnahmen an den weiterführenden Schulen – vor allem am Gymnasium – müssen verstärkt werden.
(Vieles muss da die Schule selbst leisten. Aber auch der Schulträger könnte sich einbringen. Warum können wir als Schulträger z. B. keine Fördermaßnahmen am Gymnasium bezuschussen, wie wir die Erziehungsarbeit an der Hauptschule durch die Bezahlung eines Sozialarbeiters unterstützen?)

4. Das Angebot des Gymnasiums für Realschulabsolventen muss verbessert werden, die Zu-sammenarbeit zwischen Realschule und Gymnasium muss intensiviert werden.

5. Die Fördermaßnahmen im frühen Kindesalter müssen verstärkt werden, um eine optimale Begabungsentwicklung zu ermöglichen.
(Die Pläne der Landesregierung sind hier ein Schritt in die richtige Richtung, aber es muss um mehr gehen als nur um Sprachförderung. Eine umfassende Neugierhaltung und Lernbereitschaft der Kinder muss geweckt und gefördert werden. Die Pisa-Untersuchung hat gezeigt, dass hier noch ein großes Potenzial zu liegen scheint.)

Albert Deittert
CDU Sprecher im Ausschuss

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